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Aktuell

26. 02. 2009

Pressemitteilung: Norddeutsche Neuste Nachricht vom 26. Februar 2009: Rostock auf Kurzarbeit

 

96 Unternehmen und 1312 Arbeitnehmer sind betroffen

Rostock: Vor allem in den Branchen Metall, Dienstleistungen, Elektro und Logistik mehren sich die Kurzarbeitsmeldungen. Bei Interseroh MAB heißt es: "Wir gehen da zusammen durch."

Auf dem Gelände von Interseroh MAB im Industriegebiet Schmarl baggern die Mitarbeiter Metall in die Schredderanlage, als ob nichts wäre. Was auf den ersten Blick nicht erkennbar ist: Die Maschinen laufen nur nach Bedarf. Grund: Die gesamte Belegschaft macht Kurzarbeit. Betriebsrat Robert Käll hat nur wenig Zeit für ein Gespräch. Knappe fünf Stunden täglich bleiben ihm, um seine Arbeit zu erledigen: "Kurzarbeit ist das kleinere Übel", sagt er. Im Dezeber hat der Rostocker Betrieb bei der Arbeitsagentur Kurzarbeit angemeldet. Die meisten der 33 Betroffenen arbeiten nur noch 24 Stunden in der Woche. Sie sind zu 60 Prozent beschäftigt. Das wirkt sich auf das Gehalt aus.

Im Gespräch mit Firmen Lösungen finden

Die Arbeitsagentur zahlt Kurzarbeitern je nach Steuerklasse bis zu 67 Prozent des Nettogehalts. Der Arbeitgeber kommt für Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung nicht anteilig, sondern komplett auf, er zahlt auch den Arbeitnehmeranteil. Grit Ehlers von der Agentur für Arbeit erläutert: "Jedes Unternehmen entscheidet, auf wie viele Stunden es reduziert und wie lange die Kurzarbeit dauern soll." Bis zu 18 Monate kann der Rettungsanker vom Staat in Anspruch genommen werden. In Rostock sind es 96 Unternehmen, die im Januar Kurzarbeit angemeldet habe. 1312 Arbeitnehmer sind betroffen. Im gesamten Bundesland haben sich die Zahlen von 2228 Kurzarbeitern im Januar 2008 auf 4 684 in diesem Jahr mehr als verdoppelt. "Für einen begrenzten Zeitraum ist Kurzarbeit ein gutes Mittel, Personalkosten einzusparen und Entlassungen zu umgehen." sagt Ehlers. Fachkräfte bleiben so im Betrieb.

Dauert die Kurzarbeit an, steigt laut Arbeitsagentur die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Unternehmen nicht wieder erholt. Durch  Weiterbildung der Mitarbeiter können Unternehmen den Leerlauf während der Kurzarbeit nutzen.

Bestimmte Qualifizierungsmaßnahmen übernimmt die Agentur für Arbeit. Den Teilnehmern zahlt der Staat während der Fortbildung die Sozialleitstungen. Beim Biodieselhersteller Biopetrol ließ sich Fortbildung und Kurzarbeit in Einklang bringen. Von 28 Mitarbeitern des Biodieselwerks sind 14 in Kurzarbeit und bleiben komplett zu Hause. Betriebsleiter Raik Schramm kann sich vorstellen seine Mitarbeiter in den kommenden Monten in Fortbildungsmaßnahmen zu vermitteln. Für die Kurzarbeiter von Interseroh MAB ist Weiterbildung nicht praktikabel. Die Arbeitspläne hängen wöchentlich in den Sozialräumen aus. Je nach Auftragslage kann es sein, dass ein Mitarbeiter in der einen Woche von Montag bis Mittwoch, in der nächsten von Mittwoch bis Freitag arbeitet. Regelmäßige Bildungsangebote sind unter diesen Bedingungen schwer wahrzunehmen. Ulrich Seidel, Chef des Unternehmerverbandes, weill Abhilfe schaffen. Damit das Fortbildungsangebot auf die Bedürfnisse der Unternehmen passt, befragt Seidel Betroffene: "Wir müssen im Gespräch mit Firmen Lösungen finden." sagt er.

Das Konjunkurpaket II erleichtert seit Februar 2009 Kurzarbeit. Schon wenn einem Mitarbeiter zehn Prozent Verdienstausfall drohen, kann auch ein kleiner Betrieb Kurzarbeit anmelden. Jede Firma entscheidet, je nach Auftragslage, wie viele Stunden weniger gearbeitet wird. Bis zu 18 Monate kann es Betrieb Kurzarbeit anmelden, um Entlassungen vorzubeugen.

Weiterbildung

Egal, ob Spezialwissen oder Grundkenntnisse der Datenverarbeitung, die Bildungsträger wollen Angestellte fit machen für die Zeit nach der Kurzarbeit. Zertifizierte Bildungsangebote bezahlt die Agentur für Arbeit. Zusätzlich übernimmt sie die Sozialleistungen. Weiterbildungen bieten Arbeitsförderungs- und Fortbildungswerk, Aus- und Fortbildungszentrum Schiffahrt und Hafen oder das Institut für Betriebsorganisation und Informationstechnik (InBIT) an. "Unsere Dozenten gehen auch in die Firmen", sagt Ingo Knöfel, InBIT-Regionalleiter.